Samstag, 18. Juli 2026

Wisconsin

So nachdem es das letzte Mal nach Osten in die Stadt ging, geht es heute nach Westen aufs Land. (Und auch wieder mit "etwas" mehr Text, das letzte Mal war doch arg kurz)

Zuvor jedoch noch ein kleiner aktueller Einschub, weils sonst gänzlich in Vergessenheit gerät. Auch wenn sie für die Deutsche Mannschaft schon etwas länger vorbei ist, noch läuft die Fußball Weltmeisterschaft hier in den USA (, Kanada und Mexiko). Gerade heute hat Argentinien im Halbfinale England besiegt. Hätte Youtube mich nicht wehement darauf aufmerksam gemacht, hätte ich davon nichts mitgekriegt. Die Austragungsorte in Toronto und Chicago sind offensichtlich weit genug weg, dass hier in der Mitte von Michigan keine Fußballbegeisterung herrscht.

Während der letzten Wochen habe ich ganze zwei Regalmeter mit dem Thema Fußball WM gefunden (wenn man mal von den dezenten Hinweisen auf Colaflaschen absieht)


FIFA Sonnenbrillen und Hundefutter, das wars...

Gut andererseits gibts die klassichen Fanartikel ala Flaggen und Pappteller mit Landesflagge hier das ganze Jahr, da wird nichtmal besonders umdekoriert wenn der 4th of July ansteht.

Ein bisschen mehr Interesse hätte ich allerdings schon erwartet zumindest an der Uni. Schließlich hat man das beigetragen was man hier am besten kann: the (spartan) green. Da waren sie tatsächlich sehr stolz darauf dass man gleich zwei ganz besonders strapazierfähige Rasenmischungen für die WM entwickelt hat. (Wer mehr wissen will wird hier fündig: https://msutoday.msu.edu/news/2026/05/the-spartan-science-behind-the-world-cup )

Nun aber genug vom aktuellen Sport, jetzt geht es zurück in den Oktober 2025 und nach Wisconsin.

Dorthin ging es mit der Lake Express Ferry, einer Fährverbindung von Muskegon in Michigan über den Michigansee nach Milwaukee in Wisconsin.

Früher (bis 1984) hat auf dieser Relation die Grand Trunk Railway eine Eisenbahnfähre betrieben, heute fehlt dafür die Infrastruktur.


 Dafür fährt die Fähre jetzt deutlich schneller
Tatsächlich gibt es immer noch eine ehemalige Eisenbahnfähre. Die SS Badger (https://ssbadger.com/) fährt heute noch zwischen Ludington (MI) und Manitowoc (WI) über den Michigansee mit Dampfbetrieb, allerdings werden auch hier nur noch Wagen mit Gummireifen befördert.

Übernachtet haben wir nach der Überfahrt dann in Port Washington (nicht dem in New York sondern dem in Wisconsin), einem kleinen Ort am See mit einem Sportboothafen beeindruckender Größe.

Außer dem Mexikaner bei dem wir zu Abend gegessen haben, hätte es noch dieses Etablissement gegeben:
Hier musste ich unweigerlich an Verleihnix und Automatix aus einem wohlbekannten unbesiegbaren kleinen gallischen Dorf denken.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Green Bay ins National Railroad Museum (das man als Besucher natürlich nur mit dem Auto erreichen kann...).

Dort gibt es neben dem (zumindest teilgepanzerten) Britischen Zug mit dem Präsident Eisenhower durch Großbritannien gefahren ist, auch noch "ein paar" amerikanische Exponate.


 So z.B. den recht futuristisch anmutenden Aerotrain. Dieser sollte mit modernem Design und Leichtbautechnik in den 1950er Jahren das Bahnfahren auf der Langstrecke wieder attraktiv machen. Aufgrund von zu großer Störanfälligkeit blieb es bei ganzen drei Exemplaren die sich im Vorortverkehr von Chicago noch ein Gnadenbrot verdienen durften.

Deutlich erfolgreicher war dagegen dieses Exponat

Eine GG1 der Pennsylvania Railroad. Gebaut ab dem Jahre 1934 war sie DIE Elektrolokomotive zwischen New York und Washington DC. Die letzte wurde bis 1983 eingesetzt, zuletzt aber auch nur noch im Nahverkehr in New Jersey.

Mein persönliches Highlight war allerdings dieses "Maschienchen"


Der Big Boy, die "größte und stärkste" jemals gebaute Dampflokomotive der Welt. Tatsächlich nochmal 3 Meter länger und eine halbe Tonne schwerer als die Allegheny Klasse die ich euch letztes mal im Ford Musem gezeigt hatte. Wobei es wohl noch ähnliche Lokomotiven gab, die mit etwas kleineren Rädern noch ein klein wenig mehr Zugkraft hatten (wer möchte kann gerne nach der Yellowstone Lokomitive suchen) 

Hier mal ein Größenvergleich:


 Und man durfte sich sogar in den Führerstand setzen

 Die Sicht nach draußen ist äußerst bescheiden...

Zu dieser Lok auch nochmal ein kurzer Einschub aus aktuellerer Zeit:

Vor einigen Jahren hat die Union Pacific Railroad (für die die Big Boys frührer gebaut wurden) ein Exemplar betriebsfähig aufgearbeitet. Und dieses Jahr wurde damit anlässlich des 250sten Geburtstags der USA eine "Coast to Coast Tour" veranstaltet. Während sich die Lok sonst normalerweise nur in der Gegend um Larmie und Cheyenne in Wyoming blicken lässt (dort waren die Big Boys für Steigungsstrecken stationiert) durfte sie hier (über mehrere Monate verteilt) mal richtig Strecke machen. Böse Zungen (die vermutlich garnicht mal so falsch liegen) behaupten, das Ganze würde nur veranstaltet um den Politikern den Zusammenschluss von Union Pacific Railroad und Norfolk Southern Railroad schmackhaft zu machen (nach mehreren Versuchen ist das soweit ich weiß mittlerweile auch genehmigt, die Mühe hat sich also gelohnt). Damit wird es erstmalig in der Geschichte der USA EINE Eisenbahngesellschaft in Amerika geben die Atlantik und Pazifik auf eigenen Gleisen miteinander verbindet (in Kanada und Mexiko gibts das schon länger). Bisher musste meist am Mississippi oder in Chicago die Bahngesellschaft gewechselt werden.

Wie auch immer, am 4th of July war man jedenfalls in Phildelphia zugegen. Um von Cheyenne dorthin zu kommen, musste der Big Boy Anfang Juni auch am Iron Triangle Park in Fostoria vorbei (den hab ich euch letztes Jahr bei meinem Ausflug nach Cincinatti schon einmal gezeigt). Das war zwar ein Tagesausflug mit insgesammt 5 Stunden Autofahrt, aber das ist noch immer deutlich weniger als die Anfahrt nach Cheyenne in Wyoming (und ich hatte an dem Wochenende noch nichts Besseres vor...).



 

 Wie man auf den Bildern sieht, war ich da auch nicht der Einzige. 

Gestern war die Rückfahrt durch Fostoria, aber für ein zweites Mal (und unter der Woche) war mir die Anfahrt dann doch zu weit.

Nun aber wieder zurück in den Oktober 2025.

Nächster Stop war dann Madison, die Hauptstadt von Wisconsin.


 Definitiv belebter als die Gegend um das Capitol hier in Lansing...

 

Auch bei Nacht wurden wir Zeuge einer ausgedehnten Feiermeile für überwiegend junge Studenten. auch das bin ich aus East Lansing eher weniger gewohnt. (auch wenn man mir immer wieder beteuert man müsste nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein...)

Angeblich soll es in der Unimensa in Madison sogar Bier zu kaufen geben (oder zumindest früher gegeben haben). Das würde auch den nächtlichen Betrieb erklären...

Tatsächlich scheint man in Wisconsin recht trinkfreudig und -fest zu sein. Also zur Fußball WM die schottischen Fans die Biervorräte der Ostküste leerten (selsbt die Notvorräte sollen aufgebraucht worden sein) wurde Wisconsin als Schottland der USA bezeichnet. 

Für uns ging es aber am nächsten Tag zum nächsten Eisenbahnmuseum, nämlich dem Mid-Continent Railway Museum, gelegen in der Museum Road, in kleinen Örtchen namens North Freedom (viel generischer geht die Adresse kaum noch, auf der anderen Straßenseite wohnt dann Max Mustermann... oder eben das Ehepaar John und Jane Doe).

Die Ausstellung war aber durchaus interessant. Neben einer "klassischen" Dampflok


 und einem sogar fahrenden Personenzug (allerdings mit Diesellok)


 gab es auch noch disen Güterwagen mit für den Bahnbetrieb überall wichtiger Botschaft


 Mein persönliches Highlight hier war aber diese kleine Dampflok

Eine Shay Lokomotive (benannt nach ihrem Erfinder Ephraim Shay aus dem Norden von Michigan). Besonderheit sind nicht nur die nur auf einer Seite und vertikal statt horizontal angebrachten Dampfzylinder...

...sondern auch, dass die Kraftübertragung über eine Kurbelwelle und Zahnräder erfolgt. Die dabei erziehtel Untersetzung erlaubt zwar keine Geschwindigkeitsrekorde, normalerweise fuhr man wohl so um die 10mph (das dürft ihr selbst umrechnen), aber gibt der kleinen Maschine vergleichsweise viel Zugkraft. Dabei düfte auch geholfen haben, dass nicht nur die zwei Drehgestelle (mit je zwei Achsen) der Lokomotive, sondern auch die Achsen am Tender mit angetrieben wurden. Außerdem war diese Konstruktion wohl auch bei sehr schlechter (oder nur provisorischer) Gleislage einigermaßen robust. Haupteinsatzgebiet waren Wald- und Mienenbahnen (also schlechte Gleise oder/und steile Berge).

Im Anschluss ging es dann noch zum Man Mound (and er Man Mound Road, da war man mal wieder kreativ beim Straßennamen...)

Was aussieht wie eine Wiese, ist auch eine Wiese. Allerdings kann man in dieser Wiese diverse Erhebungen erkennen (im Bild leider eher schwierig, auch der Weitwinkel hilft nicht wirklich). Diese formen die Gestalt eines Menschen. 


Mit dem Schild erkennt man etwas mehr. 

Die Straße hat man dabei direkt durch die Knie bzw. Schienbeine gebaut...

Angelegt etwa 1000 Jahre vor Christus von amerikanischen Uhreinwohnern, wurden diese Hügel (es gibt hier im mittleren Westen noch einige mehr davon) wohl als Grabstätten verwendet. Wie gesagt, dafür dass dieser "Erdhügel" grob 3000 Jahre alt ist, sieht man noch erstaunlich viel.
 

Am nächsten Tag ging es für mich dann leider wieder zurück nach Lansing, irgendwann muss man ja auch mal was Arbeiten...

Zunächst wider mit der Fähre nach Muskegon

Nach der Ankunft hab ich noch einen Spaziergang am Hafenkanal gemacht

Die Fähre war da schon wieder auf dem Weg nach Wisconsin. 

Bevor ich mich wider knappe zwei Stunden hinters Steuer setze, gab es dann noch Burger und Pommes mit Sonnenuntergang am Strand

Und damit solls das für dieses Mal gewesen sein. Auch wenn ich den Sandmann dort nicht am Strand getroffen habe, ists jetzt (zumindest für mich) Zeit zum Schlafengehen. Dafür gehts das nächste Mal die die Stadt die niemals schläft. Wir dürfen alle gespannt sein, wann es soweit ist.

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