Samstag, 18. Juli 2026

Wisconsin

So nachdem es das letzte Mal nach Osten in die Stadt ging, geht es heute nach Westen aufs Land. (Und auch wieder mit "etwas" mehr Text, das letzte Mal war doch arg kurz)

Zuvor jedoch noch ein kleiner aktueller Einschub, weils sonst gänzlich in Vergessenheit gerät. Auch wenn sie für die Deutsche Mannschaft schon etwas länger vorbei ist, noch läuft die Fußball Weltmeisterschaft hier in den USA (, Kanada und Mexiko). Gerade heute hat Argentinien im Halbfinale England besiegt. Hätte Youtube mich nicht wehement darauf aufmerksam gemacht, hätte ich davon nichts mitgekriegt. Die Austragungsorte in Toronto und Chicago sind offensichtlich weit genug weg, dass hier in der Mitte von Michigan keine Fußballbegeisterung herrscht.

Während der letzten Wochen habe ich ganze zwei Regalmeter mit dem Thema Fußball WM gefunden (wenn man mal von den dezenten Hinweisen auf Colaflaschen absieht)


FIFA Sonnenbrillen und Hundefutter, das wars...

Gut andererseits gibts die klassichen Fanartikel ala Flaggen und Pappteller mit Landesflagge hier das ganze Jahr, da wird nichtmal besonders umdekoriert wenn der 4th of July ansteht.

Ein bisschen mehr Interesse hätte ich allerdings schon erwartet zumindest an der Uni. Schließlich hat man das beigetragen was man hier am besten kann: the (spartan) green. Da waren sie tatsächlich sehr stolz darauf dass man gleich zwei ganz besonders strapazierfähige Rasenmischungen für die WM entwickelt hat. (Wer mehr wissen will wird hier fündig: https://msutoday.msu.edu/news/2026/05/the-spartan-science-behind-the-world-cup )

Nun aber genug vom aktuellen Sport, jetzt geht es zurück in den Oktober 2025 und nach Wisconsin.

Dorthin ging es mit der Lake Express Ferry, einer Fährverbindung von Muskegon in Michigan über den Michigansee nach Milwaukee in Wisconsin.

Früher (bis 1984) hat auf dieser Relation die Grand Trunk Railway eine Eisenbahnfähre betrieben, heute fehlt dafür die Infrastruktur.


 Dafür fährt die Fähre jetzt deutlich schneller
Tatsächlich gibt es immer noch eine ehemalige Eisenbahnfähre. Die SS Badger (https://ssbadger.com/) fährt heute noch zwischen Ludington (MI) und Manitowoc (WI) über den Michigansee mit Dampfbetrieb, allerdings werden auch hier nur noch Wagen mit Gummireifen befördert.

Übernachtet haben wir nach der Überfahrt dann in Port Washington (nicht dem in New York sondern dem in Wisconsin), einem kleinen Ort am See mit einem Sportboothafen beeindruckender Größe.

Außer dem Mexikaner bei dem wir zu Abend gegessen haben, hätte es noch dieses Etablissement gegeben:
Hier musste ich unweigerlich an Verleihnix und Automatix aus einem wohlbekannten unbesiegbaren kleinen gallischen Dorf denken.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Green Bay ins National Railroad Museum (das man als Besucher natürlich nur mit dem Auto erreichen kann...).

Dort gibt es neben dem (zumindest teilgepanzerten) Britischen Zug mit dem Präsident Eisenhower durch Großbritannien gefahren ist, auch noch "ein paar" amerikanische Exponate.


 So z.B. den recht futuristisch anmutenden Aerotrain. Dieser sollte mit modernem Design und Leichtbautechnik in den 1950er Jahren das Bahnfahren auf der Langstrecke wieder attraktiv machen. Aufgrund von zu großer Störanfälligkeit blieb es bei ganzen drei Exemplaren die sich im Vorortverkehr von Chicago noch ein Gnadenbrot verdienen durften.

Deutlich erfolgreicher war dagegen dieses Exponat

Eine GG1 der Pennsylvania Railroad. Gebaut ab dem Jahre 1934 war sie DIE Elektrolokomotive zwischen New York und Washington DC. Die letzte wurde bis 1983 eingesetzt, zuletzt aber auch nur noch im Nahverkehr in New Jersey.

Mein persönliches Highlight war allerdings dieses "Maschienchen"


Der Big Boy, die "größte und stärkste" jemals gebaute Dampflokomotive der Welt. Tatsächlich nochmal 3 Meter länger und eine halbe Tonne schwerer als die Allegheny Klasse die ich euch letztes mal im Ford Musem gezeigt hatte. Wobei es wohl noch ähnliche Lokomotiven gab, die mit etwas kleineren Rädern noch ein klein wenig mehr Zugkraft hatten (wer möchte kann gerne nach der Yellowstone Lokomitive suchen) 

Hier mal ein Größenvergleich:


 Und man durfte sich sogar in den Führerstand setzen

 Die Sicht nach draußen ist äußerst bescheiden...

Zu dieser Lok auch nochmal ein kurzer Einschub aus aktuellerer Zeit:

Vor einigen Jahren hat die Union Pacific Railroad (für die die Big Boys frührer gebaut wurden) ein Exemplar betriebsfähig aufgearbeitet. Und dieses Jahr wurde damit anlässlich des 250sten Geburtstags der USA eine "Coast to Coast Tour" veranstaltet. Während sich die Lok sonst normalerweise nur in der Gegend um Larmie und Cheyenne in Wyoming blicken lässt (dort waren die Big Boys für Steigungsstrecken stationiert) durfte sie hier (über mehrere Monate verteilt) mal richtig Strecke machen. Böse Zungen (die vermutlich garnicht mal so falsch liegen) behaupten, das Ganze würde nur veranstaltet um den Politikern den Zusammenschluss von Union Pacific Railroad und Norfolk Southern Railroad schmackhaft zu machen (nach mehreren Versuchen ist das soweit ich weiß mittlerweile auch genehmigt, die Mühe hat sich also gelohnt). Damit wird es erstmalig in der Geschichte der USA EINE Eisenbahngesellschaft in Amerika geben die Atlantik und Pazifik auf eigenen Gleisen miteinander verbindet (in Kanada und Mexiko gibts das schon länger). Bisher musste meist am Mississippi oder in Chicago die Bahngesellschaft gewechselt werden.

Wie auch immer, am 4th of July war man jedenfalls in Phildelphia zugegen. Um von Cheyenne dorthin zu kommen, musste der Big Boy Anfang Juni auch am Iron Triangle Park in Fostoria vorbei (den hab ich euch letztes Jahr bei meinem Ausflug nach Cincinatti schon einmal gezeigt). Das war zwar ein Tagesausflug mit insgesammt 5 Stunden Autofahrt, aber das ist noch immer deutlich weniger als die Anfahrt nach Cheyenne in Wyoming (und ich hatte an dem Wochenende noch nichts Besseres vor...).



 

 Wie man auf den Bildern sieht, war ich da auch nicht der Einzige. 

Gestern war die Rückfahrt durch Fostoria, aber für ein zweites Mal (und unter der Woche) war mir die Anfahrt dann doch zu weit.

Nun aber wieder zurück in den Oktober 2025.

Nächster Stop war dann Madison, die Hauptstadt von Wisconsin.


 Definitiv belebter als die Gegend um das Capitol hier in Lansing...

 

Auch bei Nacht wurden wir Zeuge einer ausgedehnten Feiermeile für überwiegend junge Studenten. auch das bin ich aus East Lansing eher weniger gewohnt. (auch wenn man mir immer wieder beteuert man müsste nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein...)

Angeblich soll es in der Unimensa in Madison sogar Bier zu kaufen geben (oder zumindest früher gegeben haben). Das würde auch den nächtlichen Betrieb erklären...

Tatsächlich scheint man in Wisconsin recht trinkfreudig und -fest zu sein. Also zur Fußball WM die schottischen Fans die Biervorräte der Ostküste leerten (selsbt die Notvorräte sollen aufgebraucht worden sein) wurde Wisconsin als Schottland der USA bezeichnet. 

Für uns ging es aber am nächsten Tag zum nächsten Eisenbahnmuseum, nämlich dem Mid-Continent Railway Museum, gelegen in der Museum Road, in kleinen Örtchen namens North Freedom (viel generischer geht die Adresse kaum noch, auf der anderen Straßenseite wohnt dann Max Mustermann... oder eben das Ehepaar John und Jane Doe).

Die Ausstellung war aber durchaus interessant. Neben einer "klassischen" Dampflok


 und einem sogar fahrenden Personenzug (allerdings mit Diesellok)


 gab es auch noch disen Güterwagen mit für den Bahnbetrieb überall wichtiger Botschaft


 Mein persönliches Highlight hier war aber diese kleine Dampflok

Eine Shay Lokomotive (benannt nach ihrem Erfinder Ephraim Shay aus dem Norden von Michigan). Besonderheit sind nicht nur die nur auf einer Seite und vertikal statt horizontal angebrachten Dampfzylinder...

...sondern auch, dass die Kraftübertragung über eine Kurbelwelle und Zahnräder erfolgt. Die dabei erziehtel Untersetzung erlaubt zwar keine Geschwindigkeitsrekorde, normalerweise fuhr man wohl so um die 10mph (das dürft ihr selbst umrechnen), aber gibt der kleinen Maschine vergleichsweise viel Zugkraft. Dabei düfte auch geholfen haben, dass nicht nur die zwei Drehgestelle (mit je zwei Achsen) der Lokomotive, sondern auch die Achsen am Tender mit angetrieben wurden. Außerdem war diese Konstruktion wohl auch bei sehr schlechter (oder nur provisorischer) Gleislage einigermaßen robust. Haupteinsatzgebiet waren Wald- und Mienenbahnen (also schlechte Gleise oder/und steile Berge).

Im Anschluss ging es dann noch zum Man Mound (and er Man Mound Road, da war man mal wieder kreativ beim Straßennamen...)

Was aussieht wie eine Wiese, ist auch eine Wiese. Allerdings kann man in dieser Wiese diverse Erhebungen erkennen (im Bild leider eher schwierig, auch der Weitwinkel hilft nicht wirklich). Diese formen die Gestalt eines Menschen. 


Mit dem Schild erkennt man etwas mehr. 

Die Straße hat man dabei direkt durch die Knie bzw. Schienbeine gebaut...

Angelegt etwa 1000 Jahre vor Christus von amerikanischen Uhreinwohnern, wurden diese Hügel (es gibt hier im mittleren Westen noch einige mehr davon) wohl als Grabstätten verwendet. Wie gesagt, dafür dass dieser "Erdhügel" grob 3000 Jahre alt ist, sieht man noch erstaunlich viel.
 

Am nächsten Tag ging es für mich dann leider wieder zurück nach Lansing, irgendwann muss man ja auch mal was Arbeiten...

Zunächst wider mit der Fähre nach Muskegon

Nach der Ankunft hab ich noch einen Spaziergang am Hafenkanal gemacht

Die Fähre war da schon wieder auf dem Weg nach Wisconsin. 

Bevor ich mich wider knappe zwei Stunden hinters Steuer setze, gab es dann noch Burger und Pommes mit Sonnenuntergang am Strand

Und damit solls das für dieses Mal gewesen sein. Auch wenn ich den Sandmann dort nicht am Strand getroffen habe, ists jetzt (zumindest für mich) Zeit zum Schlafengehen. Dafür gehts das nächste Mal die die Stadt die niemals schläft. Wir dürfen alle gespannt sein, wann es soweit ist.

Samstag, 20. Juni 2026

Detroit

Es ist mal wieder soweit!

Wenn ihr diese Zeilen lest, habe ich es wohl mal wieder geschafft einen Blogeintrag zu erstellen.

So langsam muss ich auch mal einen Zahn zulegen, sonst hat mich das Jahr überrundet. Ich versuch jetzt mal kürzere Beiträge mit weniger Text, vielleicht krieg ich das einfacher (und häufiger) in den Alltag eingeschoben. 

Im die letzten Wochen und Monate waren hauptsächlich von Arbeit geprägt, bei der Voice Konferenz Ende Mai wollte ich schließlich nicht mit leeren Händen da stehen. Außer von der Konferenzreise mit anschließendem Abstecher nach Washington gibts nicht viel zu berichten, und das gibts dann in einem späteren Blogeintrag (wenns gut läuft nächstes Jahr zu Ostern...). 

Wir begeben uns also zurück in den Sommer 2025 (gefühlt ist das schon wieder ewig her und die Welt war noch eine ganz andere...).

Ende September haben mich meine Eltern besucht und nachdem ich sie vom Flughafen abgholt habe, haben wir auf dem "Rückweg" wir ein paar Tage in Detroit verbracht.

Detroit Downtown ist nicht so interessant...

Dort gibt's breite Straßen 


    eine Straßenbahn die stellenweise sogar mit Batterie fährt 


    und an der Waterfront ein paar flaggen 

    auf der anderen Seite vom Detroit river liegt Windsor und das ist schon in Kanada


    Außerdem gibt's noch eine Hochbahn die automatisiert im Kreis ums Zentrum fährt 

etwas "außerhalb" liegt das ursprüngliche Studio von Motown (vermutlich eher den älteren Semestern ein Begriff), heute ein Museum unter anderem kann man sich das alte Aufnahmestudio ansehen 


noch etwas weiter außerhalb liegt das Ford Museum und das Greenfield Village. Dort gibt's allerlei was Henry Ford (und seine Nachkommen) für erhaltenswert halten.

So unter anderem das allerletze je gebaute Ford Model T  

Angeblich hat dieses Gefährt den unglaublichen Tachometerstand von unter einer Meile (vom Fertigungsband direkt hierher ins Museum) 

Außerdem gibt es den ältesten erhaltenen Schulbus der USA... 

... und den Bus von Rosa Parks,...
... die erste komerziell erfolgreiche amerikanische Diessellokomotive

und große Dampfloks (Allegheny klasse)

Die ist schon ganz schön groß, aber es geht noch größer. Wir sind schließlich in Amerika, dem Land er unbegrenzten Möglichkeiten. (edit: das kommt aber erst im nächsten Eintrag)
 

Im Village darf eine "etwas" kleinere Dampflok ihre Runden drehen.

Dort gibt es auch die originalen (hierher verbrachten) Werkstätten eines gewissen Thomas Edison zu sehen


 oder das Elternhaus von H.J. Heinz

wo er mit dem Kleinschneiden von Rettich den Grundstein für sein späteres (Tomaten-)Saucenimperiums legte.

 

Das soll es dann auch für heute gewesen sein. Nächstes mal gehts dann über den Lake Michigan nach Wisconsin. (Mal schauen ob ich das noch vor dem Ende der Fußball WM schaffe...) 

Mittwoch, 11. März 2026

Chicago

Mittlerweile neigen sich die Springbreak Ferien dem Ende und auch die Tageshöchstemperaturen liegen nun häufiger mal über den Gefrierpunkt. Langsam wirds auch wieder Zeit für die Steuer, also beste Vorraussetzungen für einen neuen Blogeintrag.

Diesmal packe ich den Teil für "Aktuelles" mal an den Anfang. Das letze Mal hatte ich ja gerade den verlängerten Arbeitsvertrag bekommen, nun gabs dann über Weihnachten auch den neuen Visumstempel in den Pass. Ich konnte also auch wieder in die USA einreisen.

Außerdem ist nun auch das zweite Paper veröffentlicht (wen es interessiert: https://authors.elsevier.com/c/1mYmV3AtDllAZM), das passt insofern ganz gut in diesen Blog, da die ersten Zeilen in der Zeit geschrieben wurden in der auch der Ausflug nach Chicago um den es heute gehen soll stattgefunden hat.  

Wir springen also zeitlich zurück in die sonnigen, warmen und langen Tage Mitte August 2025.

Für ein langes Wochenende ging es also nach Chicago, DEM Mekka für Eisenbahnfreunde in den USA, natürlich mit der Bahn.

An diesem Tag kann man nicht über mangelnde Auslastung klagen, das hat sich allerdings auch beim Fahrkartenpreis gezeigt. 


 Getrennt wird nach Einzel- (linke Schlange) und Gruppenreisenden (rechts), Reservierungen gibt es (zumindest für diesen Zug) keine, dafür wird einem der Wagen durch die Fahrgastbetreuer und Schaffner zugewiesen. Interessanterweise werden auch an den meisten Bahnhöfen (selbst in Chicago!) nur wenige Türen geöffnet, obwohl jeder wagen eine hat, meist nur zwei für den ganzen Zug (5 Wagen). 

Wenn der Zug dann fährt, merkt man relativ schnell ob die Gleise einer Güterbahn gehören (das ist hier in den USA der Normalfall) oder AMTRAK (der "staatliche" Personenzugbetreiber) selbst (das gibts eigentlich nur an der Ostküste, aber auch auf ein paar Kilometern in Michigan). Auf den einen schwankt der Zug, sodass man garnicht möchte, dass er schneller fährt, auf den anderen gleitet man in rascher Fahrt durch die Landschaft. 

Die Ankunft in der Chicago Union Station ist dann am Bahnsteig relativ dunkel...

 


Dafür gibts in der Empfangs- und Wartehalle sogar Tageslicht

 Auf dem Weg ins Hotel gibts dann eine ersten Blick auf den Chicago River

 Nach dem Eincheckn geht's aber gleich wieder zurück zum Bahnhof, bzw. zur Brücke südlich des "Tunnelausgangs".
Auf dem Bild ist es noch ruhig, kurz darauf stehen die Züge dann aber in der Nachmittags-Rushhour Schlange.


 Fast wie die Hackerbrücke in München. Auch andere Eisenbahnfotographen hab ich hier getroffen, die sind dann allerdings relativ schnell auch wieder weiter zu weiteren Fotopunkten (mit dem Auto). Für mich ging es dann (zu Fuß) nach der Rushhour noch weiter zu LaSalle station. 


 Normalerweise fahren hier Nahverkehrszüge nach Süden (von der Union Station geht es im Nahverkehr eher nach Westen), nur natürlich nicht wenn ich da bin. Nagut die ganzen Pendler sind mittlerweile schon zuhause. Da mein Magen mittlerweile knurrte hab ich auch nicht noch ne Stunde auf den nächsten Zug gewartet sondern habe mich auf Nahrungssuche begeben. 

Nach dem Abendessen mit einer leider sehr enttäuschenden Chicago Deep Dish Pizza (dauert ewig zu backen und dann hat man quasi eine Tomatensuppe in einer Teigschale mit etwas Käse) ging es dann mit der Hochbahn durch das nächtliche Chicago zurück ins Hotel.




Das kann sich durchaus sehen lassen. 

Am nächsten Tag hab ich mir dann ausführlich die Hochbahn angeschaut. Das Prinzip kennt man auch aus (West-) Berlin und Hamburg, statt einen Tunnel zu graben (auch das gibts in Chicago) baut man die Metro einfach auf ein Gerüst über die Straße. Zum Ausflug gehörte natürlich eine Rundfahrt durch die Stadt und eine Expedition zu einer Gleiskreuzung wo sich Linien aus vier Richtungen auf der Grundfläche einer (für Amerika) kleinen Straßenkruzung treffen und verzweigen. Hier einmal der Blick von Ost nach West...



 ... und einmal von Süd nach Nord, jeweils mit abzeigenden Zügen. Auf dem Zeiten Bild erkennt man besser, dass sich das ganze aufgeständert über der Straße abspielt. Für "ausgewachsene" Metrozüge ist das schon eine sehr enge Kreuzung. Früher konnte man sich auch aus dem Parkhaus (rechts im Bild) einen guten Blick von oben verschaffen (da gibts auch einige Videos auf youtube, z.B. das hier https://youtu.be/e37mQLm66N0?si=107fOacQ9JhVlurc), allerdings kann man das Treppenhaus nur noch mit einem Parkschein betreten, und als ich da war ging auch niemand hinein an den ich mich hätte dranhängen können. Dann muss ich irgendwann also mal mit einem Mietwagen herkommen, für meinen Truck ist das Parkhaus leider zu niedrig.

Also ging es weiter zur Oglive Station, quasi das nördliche Gegenstück zur Union Station, allerdings in Hoch- statt Tieflage. Von hier gehts nach nordwesten. Auf dem Weg zum Bahnsteigende wird man dann noch an DAS Ereignis des Jahres hingewiesen:


 Nirgends ist man sicher...

Am Bahnsteigende angekommen ergibt sich dann dieses Panorama


 Alle Züge stehen hier am Samstag mit laufendem Dieselmotor um die Klimaanlagen mit Strom zu versorgen. Am Montag sollen es die Pendler ja schön kühl haben. Die Dieselloks stammen auch noch aus einer Zeit, als Motorenlärm noch ein Zeichen des Fortschritts und Lärmschutz noch nicht erfunden war. Das hat zwei unmittelbare Folgen: zum einen dürften die Balkone der angrenzenden Apartments (links im Bild) am Wochenende quasi unbrauchbar sein, zum anderen hält man es als Trainspotter ohne Gehörschutz dort nicht lange aus.

 Es geht also weiter, vorbei an einer ehemaligen Eisenbahnbrücke...


 .. und weiter wieder zurück zum Chicago River. Dort am Ufer ist es deutlich ruhiger.

 Naja bis auf das Geratter der Hochbahn über die Brücke und den Touristenbooten die gelegentlich (also gefühlt alle 2 Minuten) an einem vorbeifahren.



An der ehemaligen Mündung des Chicago River (heute ist es der "Einfluss", zur Verbesserung der Wasserqualität im Michigansee und Vermeidung der Gerüchsbelästigung der Anwohner hat man die Flussrichtung im Jahre 1900 umgekehrt, das Abwasser fließt jetzt Richtung Mississippi River) kann man schon einen Blick auf den Navy Pier erhaschen. Das Riesenrad verrät es vielleicht, dabei handelt es sich um eine öffentlichen Park und nicht um einen Stützpunkt der Seestreitkräfte. Der direkte weg dorthin ist allerdings sehr nass, daher geht es erstmal in die andere Richtung zurück in die Stadt.

Der Park auf diesem Bild war mal ein Güterbahnhof zu der Zeit als der Hafen noch ein echter Güterhafen war. Das eigentliche Ziel der Milleniumpark war allerdings leider wegen einer Veranstaltung Eintrittskartenpflichtig, daher muss das bis zum nächsten Tag warten.

Nach einigem Suchen, hab ich dann aber doch den Eingang zur Millenium Station gefunden. Allerdings auch hier ein eher düsterer und etwas trostloser Anblick:


 Von  hier aus gehts immerhin elektrisch nach Südosten entlang des Michigansees.

Wieder zurück an der Oberfläche kann man eine Seltenheit in amerikanischen Städten bewundern:


 Ein Fahrradweg so breit wie eine ganze Autofahrspur! Und dann fahren sogar noch Fahrräder darauf! Ein paar Meter weiter bekommt die Fahrradeuphorie jedoch wieder einen kleinen Dämpfer:


 Immerhin scheint man sich der Problematik bewusst zu sein und weist explizit darauf hin.

Ebenfalls hier zu finden, allerdings weniger fahrradtauglich, ist der Beginn (oder das Ende) der berühmten Route 66.


 Auch wenn das Schild sicherlich schon einmal bessere Zeiten gesehen hat. Und wenn wir schon beim  Thema Straßen sind, hier nochmal ein weiterer Eindruck einer "Straßenschlucht"


Dass hier so wenige Autos fahren liegt zum einen vermutlich am Wochenende, zum anderen aber auch daran, dass es eine Ebene drunter auch nochmal ein Straßennetz gibt. Das sieht dann so aus:


Vollständing mit Ampeln, Bürgersteig und sogar Zebrastreifen. Ob man das schon als unterirdisch bezeichnen kann weiß ich allerdings nicht, man ist noch immer oberhalb des Chicago Rivers. Wie dem auch sei, mir sind Züge im freien wesentlich lieber als Straßen unter der Erde, daher gehts wieder hoch zur Hochbahn.


 Und ja, das ist die gleiche Station die ich euch schon weiter oben bei Nacht gezeigt habe.

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel, ging es Abends dann noch einmal entlang des Chicago Rivers, diesmal am Nordufer mit Blick nach Süden.

Bis hin zum Navy Pier

Dort gibt es nicht nur das Riesenrad (nach dem Erfinder Ferris Wheel benannt, in ersten Anlauf basierte die Konstruktion der Gondeln wohl sogar auf Eisenbahnwaggons)...


 ...sondern auch jede Menge Bootsverkehr


 Dafür hab ichs bis zum Sonnenuntergang nicht ganz bis and die Spitze geschafft, daher ist das Panorama noch etwas begrenzt


 Trotz (oder gerade wegen?) der späten Stunde fährt aber gefühlt jeder der ein Boot hat hinaus auf den See.


 Vom Ende des Piers habt man dann auch nochmal eine sehr schöne Sicht auf die Stadt.

Kann sich auch ohne Sonnenuntergang sehen lassen.

Zum Abendessen in einem "Biergarten" der sich auch in der Preisgestaltung durchaus seiner Lage bewusst ist gab es dann eine weitere lokale Spezialität, nämlich einen Chicago Dog, die lokale "Zubereitungsfrom" eines Hotdogs. Leider aufgrund der Masse an Gruke eine sehr saure Angelegenheit, aber wenigstens das Bier war (zumindest angeblich) lokal und tatsächlich auch trinkbar. (die Bilder erspar ich euch, das kann das Internet deutlich appetitlicher).

Kurz darauf wurde das wartende Volk dann mit einem Feuerwerk erfreut.

Dieses Spektakel gibt es im Sommer jeden Mittwoch und Samstag zu bestaunen. Dieses war das Vorletzte der Saison. Als ich eine Woche vorher davon erfahren habe, war das einer der Gründe den Ausflug nach Chicago relativ kurzfristig einzulegen.

Am Tag der Abreise ging es morgens dann noch auf eine Bootstour über den Chicago River mit Erläuterungen zu Stadtgeschichte und Architektur.







Danach war noch immer etwas Zeit bis zur Zugabfahrt am Nachmittag, also ging es auf schnellstem Weg, d.h. leider durch den Untergrund...

... nochmal zum Millenium Park und der großartigsten Sehenswürdigkeit der Welt, "The Bean"


 Eigentlich heißt das Gebilde "Cloud Gate". Mit dem Hintergrund wirkt das sogar ganz "hübsch".


 Hier nochmal von nah, wer mich findet hat sich einen Keks verdient...

Oder einen Walking Taco: 

Klassischerweise an Jahrmärkten oder am Parkkiosk zu finden werden hier die Zutaten die normalerweise in den Taco gefüllt werden hier einfach in die geöffnete (Taco-)Chipstüte geschüttet. Ist zwar lecker, aber natürlich auch ne ziemliche Sauerei (und ich wollte den Koffer nicht nochmal aufmachen, daher lieber mit Latz).

Nach diesem Mittagessen ging es dann wieder mit der Hochbahn (diesmal eine etwas modernere Station)...

 

... zum Hotel und dann mit der Ubahn in die Nähe der Union Station. Tatsächlich muss man von der nächstgelegenen Ubahnhaltestelle noch immer drei Blocks laufen. Dafür sieht man das Bahnhofsgebäude nochmal von außen.


 Kurz vor Abfahrt wird man dann nach der Fahrkartenkontrolle auf den Bahnsteig gelassen.

Diesmal wurde nicht nach Reisegruppengröße, sondern nach Ausstiegshaltesstelle sortiert.

Zum Sonnenuntergang war ich dann wieder in heimischen Gefilden am Banhof von East Lansing angekommen.


Das soll es für dieses Mal gewesen sein, vllt. schaffe ichs nächstes Mal das ganze etwas kürzer zu fassen, dann dauert es auch nicht so lange...

(wers glaubt wird seelig) 

Wisconsin

So nachdem es das letzte Mal nach Osten in die Stadt ging, geht es heute nach Westen aufs Land. (Und auch wieder mit "etwas" mehr ...